Minimum Viable Product (MVP)

Minimum Viable Product

Eine besondere Form der Lean-Methodik nennt sich „MVP – Minimum Viable Product“. Nein, dies hat nichts mit dem Most Valuable Player beim Basketball zu tun. Vielmehr sollen MVPs Gründern oder Product Managern helfen, keine Produkte zu entwickeln, die im Nachhinein niemand benötigt.

 

1. Wie man ein richtiges MVP entwickelt

Natürlich wieder mit einem möglichst frühen Markteintritt mit dem Ziel, so schnell wie möglich echtes Marktfeedback zu bekommen. Als Erweiterung der Lean-Methodik validiert man jedoch mit einem MVP nicht nur die Produktidee, sondern direkt eine funktionierende Mini-Version des Produktes. Richtig gemacht, lässt sich dann das Produkt auf der Basis von User-Feedbacks mit immer neuen Funktionalitäten und Features erweitern.

Initiale Entwicklungszeiten können somit deutlich verkürzt werden. Jedoch erhöht sich der Analyse-Aufwand. Gibt es einen Markt für mein Produkt? Welche Features brauchen die Kunden wirklich? Welche Features sind nach dem MVP die wichtigsten? Ein paar MVP Beispiele.

1.1. Die Krux

Die große Herausforderung der Produktentwickler ist es, im Vorfeld genau zu definieren, welche Funktionalitäten für den User wirklich notwendig sind, um genügend Nutzen zu stiften. Es darf auf keinen Fall ein zu geringer Nutzen sein, denn dann ist der User wahrscheinlich sofort und vor allem auch für immer verloren.

Ein paar Beispiele für Features eines MVPs, die in Produkt-Teams immer wieder diskutiert werden. Funktionalitäten, die häufig im ersten MVP weggelassen werden, da sie die User Experience nicht ad hoc beeinflussen:

  • „Passwort zurücksetzen“
  • Bezahlfunktion
  • Rechtssichere Datenschutz- und AGB-Texte
  • Automatische Tests des Quellcodes
  • Hoch skalierbare Staging-Umgebung
  • Kein „schönes“ Design
  • Lange Ladezeiten

Funktionalitäten, die aus eigener Erfahrung, immer auch im MVP enthalten sein sollten:

  • Eine sehr gute und einfache Usability
  • Die Möglichkeit, User Feedbacks abzugeben
  • Ein Impressum

„If you are not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late.“  Reid Hoffmann – Co-Founder von Linkedin

1.2. Achtung!

Straffe Zeitpläne stressen die Umsetzung eines guten MVPs häufig, so dass später dem User eine  noch nicht fertige  Version angeboten wird statt eine sehr gut funktionierende Version 1.0 des Produktes. Das Produkt kann ja nicht fertig sein, aber der User darf dies niemals merken, erst recht nicht in der User Experience. Und bitte nicht vergessen, dass vor allem die Ladezeit der Applikation zur User Experience gehört.

1.3. Noch mal Achtung!

Ein Phänomen, das vor allem in Unternehmen mit mehreren Produkten häufiger passieren kann. Annahme: Der Markt bewegt sich rasant und die Konkurrenz hat ein gutes Feature vorgelegt. Die Produktentwickler müssen also entsprechend nachziehen, um den Vorsprung der Konkurrenz schnellstmöglich zu egalisieren. Das MVP wird definiert, in Rekordgeschwindigkeit implementiert und auf den Markt gebracht. Die Sales-Abteilung wird beglückwünscht und mit dem Verkauf des MVPs auf die Reise geschickt. Die Arbeit der Produktentwickler scheint erledigt und man beginnt direkt mit dem nächsten Projekt oder gar dem nächsten MVP. Aus der Perspektive der Vertriebler ist alles optimal. Sie haben ihr Feature bekommen und gewinnen auch die Salespitches wieder. Alles so weit, so gut, oder doch nicht?

Nein. Diese Entwicklung ist für ein Unternehmen mittel- bis langfristig fatal, da es die Validierung des MVPs am Kunden so komplett vernachlässigt. Für ein Unternehmen kann das schlimmstenfalls zur Konsequenz haben, dass es viele Features und Produkte nur im MVP-Status im Produktportfolio vorfindet, aber keines davon die User wirklich begeistert. Langfristig werden die User sich nicht mit „nicht fertigen“ oder „nicht ausgereiften“ Produkten zufriedenstellen lassen. Zumindest nicht, wenn die Konkurrenz nur ein einziges Produkt auf dem Markt hat, das hingegen deutlich besser ist als die MVP-Version dieses Produktes.

Beitragsbild by Henrik Kniberg

 

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